Wie gefährlich ist der religiöse Fundamentalismus

Von: Dr. Theodor Much

Religiöser Fundamentalismus ist gefährlich, ganz besonders wenn Fundamentalisten davon überzeugt sind, dass jedes Mittel recht ist, um ihren Glauben in der Welt zu verbreiten.

Was kennzeichnet den religiösen Fundamentalismus aus?

1. Der unbedingte Glaube an die absolute Unfehlbarkeit ihrer heiligen Schriften, da dieser – wie sie meinen – „Gottes wortwörtlichem Diktat darstellt.
2. Die Opposition gegen „Modernität“, sodass im Falle von Widerspruch zwischen Modernität und Tradition, die Tradition immer im Recht ist.
3. Negierung des religiösen Pluralismus, ganz besonders innerhalb der eigenen Religion.
4. Das Bestreben fanatischer Gruppierungen, ihr Verständnis der Religion andersdenkenden Menschen mittels Mission – auch gewaltsam – aufzuzwingen,
5. Der Versuch das Rad der Zeit zurückzudrehen.
6. Viele, wenn auch nicht alle Fundamentalisten, hassen „Ungläubige“, Homosexuelle und Frauen (die man als minderwertig ansieht).
7. Die Faszination des Märtyrertums, und die damit verbundene Bereitschaft sich und andere (Unschuldige) im Namen ihres Gottes umzubringen.
8. Die Ablehnung einer Trennung von Staat und Religion, mit dem Bestreben einen „Gottesstaat“ zu errichten.
9. Absolute Unfähigkeit zur Selbstkritik.
10. Scharfe Gegnerschaft zur (kritischen) Bibelwissenschaft, aber auch zu modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Solch ein religiöser Fundamentalismus macht Angst. Diese Angst wird noch gesteigert, wenn man neuere Umfrageergebnisse unter Muslime der 2. und 3. Generation in Europa analysiert.
Dabei zeigt sich, dass lt. WZB (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung), Bielefelder Institut, Amadeu-Antonio Stiftung (Cem Özdemir), Deutsches Institut für Islamfragen und Anti Defamation League, rund 2/3 der Befragten die Einführung der Scharia wünschen und der Überzeugung sind, "dass es nur eine einzig mögliche Auslegung der heiligen Schriften geben kann". Es zeigt sich auch, dass 44% der Befragten glauben, "dass wer sich für die eigene Religion in die Luft sprengt, ins Paradies gelangt".
Ausserdem zeigt sich, dass zwischen 50% und 64% der Befragten – je nach Land – Antisemiten sind (in arabischen Staaten sind es an die 90%) und Homosexuelle noch mehr hassen.

Auch wenn Umfrage Ergebnisse stets mit Vorsicht zu geniessen sind, dürfen all diese Antworten – aus „Political Correctness" – nicht, wie es allzu oft geschieht, negiert werden.

Denn wenn man Fundamentalisten freie Hand lässt, hören Menschlichkeit, Toleranz und Demokratie sehr bald auf, wie auch das Beispiel Malmö zeigt, wo die alteingesessene schwedisch-jüdische Bevölkerung die Stadt in Panik verlässt. Die Gefahr der „Malmöisierung“ ist in ganz Europa, wegen dem Wegschauen der politischen Eliten, akut und bedrohlich.

Aus all dem bereits gesagten, lässt sich folgendes schließen:
Der Staat muss dem Treiben der religiösen Fundamentalisten energisch ein Ende setzen und darauf verzichten, mit derartigen Gruppierungen einen Kuschelkurs einzugehen. Außerdem muss die Politik erkennen, dass es auch einen zeitgemäßen, toleranten und liberalen Islam gibt, der gestärkt werden muss, um früher oder später zum Main Stream Islam zu werden. Doch bisher war die Politik dem liberalen Islam gegenüber blind. Man kann nur hoffen, dass ein baldiges Umdenken in der Politik stattfindet, bevor alles zu spät ist.



Dr. Theodor Much
(Arzt und Sachbuchautor)

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