Einführung des Ethikunterrichtes erforderlich

Von: Dr. Gerhard Engelmayer

Freidenkerbund Österreich hatte 2 wichtige Schwerpunkte: Säkularität(Weltlichkeit oder Trennung von Religion und Staat) in den Schulendurch eine Internet-Plattform www.secularschools.org

Konfessionsfreie Menschen werden immer mehr, dennoch gibt es immer noch sehr viele konfessionelle Schulen und Kindergärten. Eltern haben wenig Information darüber, ob die Schulen weltlich oder religiös orientiert sind und was tatsächlich in den Religionsstunden und im sonstigen Unterricht vermittelt wird. Säkular eingestellte Menschen wollen ihre Kinder nicht im Geiste einer Religion erzogen wissen, schon gar nicht, wenn diese autoritäre Züge besitzt, sondern sie möchten, dass Religion als Wissensinhalt vermittelt wird, im Sinne eines Religionen- und Ethikunterrichtes, um allgemeingültige Werte vermittelt zu bekommen und das Verständnis für andere Religionen aufzubauen. Säkularität wird von ihnen oft als Grundlage unseres toleranten aufgeklärten Zusammenlebens verstanden. Religiöse Eltern wollen sicherstellen, dass die Kinder bewusst religiös erzogen werden, und ihnen die Werte der Religion, vor allem der eigenen, vermittelt werden. Unsere Initiative eine Internet-Plattform www.secularschools.org informiert Eltern und sorgt für mehr Übersicht und Transparenz. Voraussetzung ist, dass auch die Schulen freiwillig mitmachen.

Säkularität durch die Einführung des Ethikunterrichtes

Die derzeitige Situation des Religionsunterrichtes nach langem Test für Ethikunterricht ist unhaltbar. Der Ethikunterricht darf keine Krücke für vom Religionsunterricht abgemeldete sein, sondern hat seine eigene integrations- und demokratiepolitische Berechtigung, ja Notwendigkeit. Vor allem der vom Staat unterstütze Islamunterricht, der teilweise von Demokratiefeinden abgehalten wird (Khorchide-Studie 2008), müsste durch Ethik abgelöst werden. Er unterliegt offenbar einem hohen sozialen Druck innerhalb der Community, sodass das gesetzlich vorgesehene Abmeldeverfahren nur unzulänglich wirksam werden kann. Dazu kommt neuerdings die Prägung der Kinder in islamischen Kindergärten, die mit liberalen, aufgeklärten Wertvorstellungen konkurrieren muss.

Im Interesse einer pluralistischen Gesellschaft muss der Ethikunterricht statt Religionsunterricht mit gut abgestimmten Lehrplänen für alle eingeführt werden, am besten vom Kindergarten an. Teil des Lehrplans soll Religion als Wissensstoff sein, nicht aber als Glaubensinhalt. Leitmotiv dieser Lehrpläne müsste 200 Jahre nach Kant die Vermittlung von Bildung über sittliche Ordnungen und die Erziehung zum kritischen Denken sein, statt zur Unmündigkeit religiöser Begeisterung. Damit wird der Erziehung zu den im Schulunterrichts-Gesetz festgelegten Zielen, wie selbständigem und kritischem Denken, zur Toleranz und zum gegenseitigen Verständnis am besten gedient sein.

Eltern sollen die Freiheit haben, ihre Kinder in ihrem religiösen und sittlichen Sinn zu erziehen, dafür aber den Staat und seine Mittel in Anspruch zu nehmen, ist nicht zeitgemäß. Das Interesse des Staates besteht in einem verständnisvollen Miteinander aller. Dem dient das Werkzeug des Ethikunterrichtes am besten. Wir unterrichten ja auch „politische Bildung“ und nicht „ÖVP-Unterricht“ oder „SPÖ-Unterricht“ etc.

Wesentlich ist der mangelnde Befund einer positiven erzieherischen Wirkung des Religionsunterrichts auf den Charakter, d.h. zum besseren Menschen. Die Wirkung beruht auf Glauben und nicht auf objektiver, wissenschaftlicher Basis. Für diesen Posten werden aber zig Millionen ausgegeben. In gleicher Weise werden auch homöopathische Mittel aufgrund fehlender wissenschaftlicher Evidenz nicht von der Krankenkasse bezahlt, obwohl manche Patienten fest daran glauben.

Wenn aber die Religionserziehung das Ziel hat, den Kindern eine von den Eltern gewünschte auf Tradition basierende Identität zu vermitteln, dann ist das nicht Aufgabe des Staates, sondern eben der Eltern. Die vom Staat vermittelbare Identität ist das staatliche Gemeinwesen und wird durch den Religionsunterricht sogar in gewisser Weise konterkariert (staatlicher Einfluss der Türkei via ATIB auf muslimischen Unterricht).

Ethikunterricht sollte nur von befugten, entsprechend ausgebildeten, in keinem Fall aber auf Dauer von Religions-Lehrern erteilt werden, da sonst ein Religionsunterricht „durch die Hintertüre“ zu befürchten ist. Diese Lehrer sind ja auf die Vermittlung von monotheistischem, autoritärem Gedankengut eingeschworen und kommen daher in einen unlösbaren Gewissenskonflikt, wenn sie ihrer Aufgabe als Ethiklehrer nachkommen. Zum Beispiel ist ein katholischer Religionslehrer dem Glaubenssatz verpflichtet, dass der Glaube Vorrang vor der Vernunft hat (Enzyklika „Fides et Ratio“, 1998).

Dr. Gerhard Engelmayer
Vorsitzender
Freidenkerbund Österreich und des Zentralrates der Konfessionsfreien

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