Wir leben in sehr schlechten Zeiten, aber ich bleibe hoffnungsvoller Optimist

Von: Amer Albayati

Ich liebe meine Gegner. Das braucht viel Überwindung, aber ich habe das seit Jahren geschafft. Weil für die, welche mich als Gegner betrachten, es ihr Problem ist. Meine Haltung bleibt es, zu verzeihen und zu lieben. Ohne Feindseligkeit, in einer Welt, in der es gegenwärtig voller Hass zwischen den Großmächten, Politikern, Religionen, Humanisten und alle, einer gegen den anderen, zugeht. Und wir bedenken dabei nicht, dass wir unser gesamtes Leben in Gegenwart und Zukunft, ohne Ethik, Moral und Verantwortung für die Menschen, Tiere und Umwelt, leider für immer kaputt machen.
Wir werden auch künftig mit realistischer Haltung, ehrlich und mutig bleiben, um im Sinne aller Menschen für eine neue Hoffnung zu agieren.

Radikaler politischer Islam ist eine Bedrohung für ganz Europa

IS-Terroristen, Dschihadisten, Salafisten und Muslimbrüder stellen eine ernste Gefahr für ganz Europa dar. Als Insider, Betroffener, Augenzeuge und Islam-Reformer fasse ich hier, in gegebener Kürze, grundlegende Punkte über den radikalen und politisch organisierten Islam zusammen.

Gleichzeitig möchte ich die Friedfertigkeit der meisten Muslime in Europa betonen, die mit diesen Angelegenheiten nichts zu tun haben wollen und von Gruppierungen wie IS als Kafirun, Muschrikun und Munafiqun (Ungläubige, Beigeseller und Heuchler) angesehen werden, denen abgesprochen wird, Muslime zu sein.

Dies gilt auch für den von Saudi-Arabien global exportierten salafistischen Wahhabiyya-Islam, der nicht ohne Grund eine religiöse Legitimationsgrundlage von IS und al-Qaidah bildet, da er schon Gewaltanwendung gegen jeden, der nicht zu den Wahhabiten gehört, durch die Religion rechtfertigt, da allen Muslimen gegenüber Takfir (Erklärung zu einem Ungläubigen) und Entlassung in die Dschahiliya [Zeit der vorislamischen Unwissenheit und Barbarei] ) erklärt wird, die nicht dieser Islamauslegung folgen, die dann, wie alle Nichtmuslime, durch den gewaltsamen Dschihad bekämpft werden dürfen und müssen. Nichts anderes also als das, was IS auch propagiert. Insoweit die Islamauslegung von Saudi-Arabien das Spiegelbild der Islamauslegung von IS darstellt. Und umgekehrt.

Es fehlt daher jedes Verständnis, warum viele Politiker und Medien dubiose Organisationen aus dem Spektrum des radikalen Islamismus und gewaltsamen Dschihadismus ideell und materiell unterstützen, was auch für den Wahhabiyya-Islam gilt, der seit Jahrzehnten in Österreich verbreitet wird, obwohl die politisch und gesellschaftliche Verantwortlichen in der Regel über dessen Konflikt- und Gewaltpotential informiert sind.

Diese implizite Unterstützung führt in ganz Europa zu einer ansteigenden abstrakten Gefährdungslage, die im Bereich des gewaltsamen Dschihadismus durch erfolgreich ausgeübte Anschläge und Attentate jederzeit in eine konkrete Gefährdungslage umschlagen kann.

Die islamischen – vor allem die arabischen – Länder werden von extremistischen Organisationen des politischen Islam seit Jahren mit Gewalt und Terror überzogen, was bisher zu hunderttausenden Toten geführt hat.

Das verdeutlichten die Anschläge im Irak, in Kuwait, Nigeria und Ägypten während des Ramadan 2015, die sich gegen Muslime der eigenen und anderer Glaubensausprägungen richteten. Auch waren bisher nach verschiedenen Schätzungen in den letzten 20 Jahren ca. 85-90 Prozent der Opfer von Anschlägen durch al-Qaidah Gruppierungen Muslime. Der Terror von IS und al-Qaidah richtet sich primär gegen Muslime und sollte nicht als ein Kampf der Kulturen zwischen Islam und Christentum interpretiert werden. Das würde schon den islamischen Extremisten in die Hände spielen, die die Gesellschaft entlang ethnisch-religiöser Bruchlinien gezielt spalten wollen. Ebenso denjenigen, die unter dem Deckmantel angeblicher „Islamkritik“ ihre subjektive Idiosynkrasie gegen Islam und Muslime verbreiten, weil man Islam und Muslime in der Gesamtheit hasst. Beides Positionen, die in einer freien Gesellschaft keinen Platz haben können, weil das den Gedanken des gleichberechtigten und friedlichen Miteinanders von Menschen heterogener religiöser Orientierung und ethnischer Herkunft widerspricht, für das die Initiative Liberaler Muslime in Österreich (ILMÖ) eintritt, wobei auch immer bestehende Problemlagen offen angesprochen wurden und weiterhin werden.

Die ILMÖ hat seit ihrer Gründung am 2. Februar 2000, also schon vor dem 11. September 2001, immer vor terroristischen Anschlägen gegen die USA und Europa gewarnt. Diese Warnungen wurden nicht ernst genommen, bis sich erfolgreiche Anschläge in Madrid, London, Frankfurt/Main, Brüssel, Paris und Kopenhagen ereigneten.

Unsere letzte Warnung war nach der Eskalation des innerislamischen Religionskrieges in Syrien/Irak, dass dschihadistische Kämpfer als angebliche Flüchtlinge über Nordafrika nach Europa in den Schengen-Raum gelangen. Dabei verdienen auch Gruppierungen von al-Qaidah im Islamischen Maghreb (AQIM) wie Ansaar ad-Din (Mali) und IS nahe Gruppen in Libyen am illegalen Migranten-Schmuggel mit.

Die von der islamistischen AKP regierte Türkei lässt zu, dass Terroristen innerhalb stetig ansteigender Flüchtlingsströme nach Europa gelangen können. Politiker und Medien wollten auch diese Warnungen nicht hören, obwohl es jetzt in ganz Europa zu immer mehr Verhaftungen solcher Terroristen kommt. Diese Dschihadisten nützen die islamische Religion und die religiösen Gefühle von Muslimen in allen europäischen Staaten aus, um für ihre Ziele zu werben, neue ausländische Kämpfer für den IS und die al-Qaidah nahe an-Nusrah Front in Syrien/Irak zu rekrutieren und letzten Endes selbst Anschläge in Europa auszuüben.

Die Rolle der radikal-islamischen Organisationen und ihrer Moscheen in Europa

Die Muslimbruderschaft (al-Ichwan al-Muslimun) wurde im März 1928 von dem Volksschullehrer Hasan al-Banna (1906-1949) in Ismaʿilia/Ägypten gegründet.

Sie gilt als Mutterorganisation des neuzeitlichen Islamismus als explizit politisch ausgerichtete Islamauslegung und wird von Kennern der Materie in das Lager der Salafi-Reformer eingeordnet, weil al-Banna von dem Salafi Reformer Rashid Ridda (1865-1935) beeinflusst wurde, der als einer der Gründer der neuzeitlichen Salafiyya-Bewegung gilt. Er trat mit seiner 1922 verfassten Schrift „Das Kalifat oder das größte Imamat“ für die Wiedererrichtung eines arabischen Kalifates ein und wandte sich in seinen letzten Lebensjahren dem Wahhabiyya-Islam zu. Die Muslimbruderschaft übernahm dieses Konzept von Ridda und propagiert seitdem die Errichtung eines islamischen Staates. Mit der Frage konfrontiert, warum die Muslime unbedingt in einem Kalifat leben müssten, erklären sie, dass der Islam Religion und Staat (al-Islam huwa Din wa Daula) sei.

Ihre Ideologie richtet sich gegen jede Form von „Verwestlichung“, da der Westen für den Niedergang der arabischen Welt verantwortlich gemacht wird, der mit dem Ägyptenfeldzug von Napoleon 1798 begann. Daher strebt die Bruderschaft eine „Modernisierung“ der jeweiligen Gesellschaft im Rahmen des gesamten Gesetzes (Schariah) als Rückkehr zu einer „wahren islamischen Ordnung“ (an-Nizam al-Islami) an, womit bestehende Ordnungen überwunden werden müssen, was langfristig auch in Europa bewerkstelligt werden soll, um ein globales Kalifat zu errichten.

Sie baute nach der Niederschlagung ihrer Aufstände in Ägypten durch Gamal Abdel Nasser und in Syrien durch Hafiz al-Assad mit ihren Anhängern seit Anfang der 60er Jahre (und mit einer großen Welle Anfang der 90er Jahre) in Europa bedeutende Netzwerke auf. Diese wurden durch Verflechtungen mit politischen Parteien salonfähig und betreiben heute insbesondere auf der Ebene des EU-Parlamentes in Brüssel erfolgreich Lobbyarbeit, während unter den in Europa lebenden Muslimen Vorstellung von Islam als überlegenes und vollkommenes System verbreitet wird. Diese Vorstellung ist durch die Verbindung eines, jeder Religion immanenten, religiös begründeten Wahrheitsanspruches mit einem weltlichen Dominanzstreben gekennzeichnet.

Hunderte der Muslimbruderschaft nahestehende Moscheen und Kulturvereine überziehen in Verbindung mit türkischen Vereinen – wie Millî Görüş Gruppierungen und ATIB als verlängerter Arm der AKP in Österreich – ganz Europa. Sie verbreiten durch Lobbyaktivitäten, Infiltration sozialer Netzwerke und Kontrolle über Moscheen ihre Religionsauslegung. Im Rahmen der durch die freiheitliche und wertepluralistisch verfassten Ordnung Österreichs gewährten allgemeinen Freiheitsrechte sollen politische Forderungen durchgesetzt werden, was als legalistischer Islamismus bezeichnet wird, zu dem Sicherheitsbehörden die Muslimbruderschaft zählen.

Ziel ist die Errichtung einer auf dem gesamten Gesetz (Schariah) basierenden Nomokratie, wo Nichtmuslime nur noch als sozial-rechtlich mindere Dhimmis (Schutzbefohlene) leben könnten. Und wo ein archaisches Geschlechterverhältnis gelten würde, welches Gleichheit nur in der Religion vor Allah, aber nicht im Alltagsleben vorsieht, da auf Grundlage eines mittelalterlichen Geschlechterbildes als Grundlage einer - im Westen seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überwundenen – Rollenverteilung, durch die der Mann den öffentlichen Raum dominiert, während die Frau in den privaten familiären Bereich verwiesen wird.

Im islamischen Religionsunterricht in Österreich werden aufgrund fehlender Kontrolle der gelehrten Inhalte und des Hintergrundes der Lehrkräfte teilweise die Ziele des politischen Islam gelehrt. In Einzelfällen ist durch islamische Religionslehrer zu Hass auf Juden und Christen sowie Humanisten aufgerufen worden. Ebenso wurde über Jahre die Verhaltensanordnung „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“ des auch in Europa einflussreichen islamistischen Religionsgelehrten Yusuf al-Qaradawi (geb. 1926) im islamischen Religionsunterricht in Österreich benutzt. Jedoch sind die dortigen Ausführungen, wie etwa die Rechtfertigung der Todesstrafe für Unzucht unter Verheirateten und Abfall vom Islam, in nicht wenigen Punkten gegen die geltende Werteordnung gerichtet und vergiften gezielt das friedliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher religiöser Orientierung, wobei auch eine physische Radikalisierung junger Muslime im Rahmen der Möglichkeiten liegt. Finanziert wurde und wird dies von den österreichischen Steuerzahlern.

Das gesellschaftliche Weltbild solcher Organisationen

Weit verbreitet sind in islamistischen Organisationen und Gruppierungen eine gesellschaftliche und politische Radikalisierung, Ablehnung des säkularisierten Staates mit Trennung von religiöser und politischer Sphäre, ein mangelndes Demokratieverständnis, sowie die Ambition, die Religion politisch zu instrumentalisieren. Dabei wird eine Schariahtisierung der Gesellschaft von unten angestrebt. Es sollen vor allem junge Menschen mit religiösen Heilsversprechungen für den radikalen Islam gewonnen werden, der in seiner militanten Ausformung immer mehr Anhänger findet, was sich auch legalistisch agierende Islamisten zurechnen lassen müssen, die dafür oftmals den Boden bereiten.

Dies geschieht in allen europäischen Staaten. Es gibt aber neben Brüssel besondere Hot Spots wie Paris, Brüssel, London und Wien. Wien hat sich dabei zu einem der bedeutendsten Zentren für Islamisten und gewaltsame Dschihadisten aller Couleurs entwickelt.

Nach Einschätzung des Counterterrorism-Beraters Dr. Thomas Tartsch zeigt sich diese hervorgehobene Funktion des islamistischen Hot Spots Wien gerade im Bereich des radikalen und militanten Salafismus. Seit Ende 2010 ist eine verstärkte Vernetzung zwischen österreichischen und deutschen Salafisten aus diesem Spektrum im Stadtgebiet zu konstatieren. Dadurch wurde der Grundstein für die heutige Gefährdungslage gelegt. Österreich hat im europäischen Vergleich einen hohen Anteil an Foreign Fightern aus dem militant-salafistischen Milieu im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, wobei man nicht genau sagen kann, wie viele Foreign Fighter aus Österreich die Hidschra (den Auszug) nach ash-Sham zu IS und al-Qaidah vollzogen haben, da nicht wenige Fälle den Sicherheitsbehörden unbekannt bleiben. Insoweit das Dunkelfeld nach einer objektiven Einschätzung etwa doppelt so groß sein wird, was auch für das offiziell genannte Anhängerpotential des gewaltsamen Dschihadismus in Österreich gelten dürfte.

Nicht ohne Grund waren bis zu ihrer Tötung in ash-Sham der Wiener Dschihadist Mohamed Mahmoud (Abu Usama al-Gharib) und der wirkmächtigste deutsche Anashiid-Interpret im Internet Denis Mamadou Gerhard Cuspert (Abu Usama al-Gharib) zwei Führungspersonen des IS. Sie waren schon in Deutschland innerhalb der im Herbst 2011 gegründeten Gruppierung Millatu Ibrahim aktiv gewesen, die 2012 verboten wurde. Cuspert bekleidete später bei IS die Funktion eines Kommandeurs der rund 4000 IS-Kämpfer der „Army of Aleppo“, während Mahmoud durch die im Internet verbreitete Exekution einer Geisel in Palmyra/Syrien im Sommer 2015 globale Bekanntheit erlangte. Die beiden fanden in Österreich und Deutschland in den letzten Jahren eine wachsende Anhängerschaft unter jungen Muslimen und Konvertiten, die bereit waren, als Foreign Fighter die Hidschra in den gewaltsamen Dschihad nach Syrien/Irak zu vollziehen. So wie rund 30.000 sunnitische und schiitische Foreign Fighter auf allen Seiten der Konfliktparteien, die dort kämpfen. Oder in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, wobei man ebenfalls nicht genau sagen kann, wie viele davon bereit wären, in ihrem Heimatland Anschläge auszuüben. So wie der am 18.11.2015 bei einem Polizeizugriff in Frankreich getötete gebürtige Belgier und IS Dschihadist Abdelhamid Abaaoud, der als Planer der Anschläge in Paris im November 2015 gilt.

Für Tartsch multipliziert sich die Gefährdungslage für Österreich ebenso durch ein extremistisches Gewaltpotential von Anhängern des al-Qaidah nahen Islamischen Kaukasus-Emirates innerhalb der tschetschenischen Community im Land und durch die geographische Nähe zum Balkan.

Saudi-Arabien hat dort nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien seine Islamauslegung massiv verbreitet. Diese ist neben Purismus und Literalismus insbesondere durch ihre extreme Gewaltaffinität gegenüber anderen Muslimen und Nichtmuslimen gekennzeichnet. Gruppierungen des Netzwerkes al-Qaidah und IS nutzen das Gebiet, um neben Rekrutierungsaktivitäten unter jungen Muslimen auch Kämpfer nach Europa zu schleusen. Wien stellt seit Jahren einen Knotenpunkt der IS und al-Qaidah Achse Syrien/Irak-Balkan-Österreich-Deutschland mit beständig wachsender Bedeutung dar, weil der Balkan als Ausgangsgebiet für den gewaltsamen Dschihad dient, der in Zukunft in allen europäischen Ländern ausgeübt werden soll. Dies ergibt sich unter anderem aus der militärischen Situation des IS Kalifates, welches unter Druck gerät. Und mit Anschlägen in Europa versuchen kann, durch Terrorismus als Werkzeug zur Verbreitung von Angst und Schrecken und als Kommunikationsstrategie, ihrerseits die europäischen Länder durch die öffentliche Meinung unter Druck zu setzen, damit diese ihre Intervention gegen IS aufgeben. Ebenso wird Al Qaidah Core (AQC) unter ihrem Anführer Aiman az-Zawahiri versuchen, durch erfolgreiche Anschläge des Netzwerkes die Führerschaft im transnational und panislamisch ausgerichteten Salafi Dschihadismus als ältere Organisation zu verteidigen, da IS durch die erfolgreichen Anschläge in Paris im November 2015 und in San Bernardino/USA im Dezember 2015 seine globale Anerkennung unter gewaltsamen Dschihadisten ausbauen konnte.

Daher rechnet Tartsch für Österreich und Europa in Zukunft mit quantitativ steigenden und vermehrt erfolgreich verlaufenden Anschlägen auf Soft Targets zur Erzielung eines hohen Bodycount (wie im November 2015 in Paris durch simultan ausgeübte Attentate und das Massaker im Bataclan-Theater) auf dem Niveau des Low Terrorism (Terrorismus, der mittels konventioneller Mittel wie Schusswaffen und Sprengkörper ausgeübt wird) durch Einzeltäter, Kleinst- und Kleingruppen. Diese agieren oftmals individuell und ohne direkte Kontakte zu dschihadistischen Netzwerken. Internetmagazine wie „Inspire“ von Al Qaidah auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) und „Dabiq“ von IS rufen dazu schon seit Jahren auf.

Es muss daher kurz- bis mittelfristig um die weitestgehende Verhinderung solcher Anschläge und das Containment von erfolgreicher Rekrutierung und Radikalisierung potentieller Anhänger gehen, die bereit wären, in Österreich Anschläge auszuüben oder als Foreign Fighter in das IS-Kalifat oder zu al-Qaidah Gruppierungen auszuwandern.

Langfristig muss es primär darum gehen, die Etablierung engmaschiger Netzwerke mit entsprechenden Kapazitäten und Ressourcen in Österreich zu verhindern, die Anschläge auf dem Niveau des High Level Terrorism - wie die Anschläge des 11.september 2001 - ausüben könnten.

Gleichzeitig plädiert Tartsch in Weiterführung der Empfehlungen seiner Lehrer Prof. Edwin Bakker (Universität Leiden, ICCT-The Hague, NATO Defence College) und Prof. Daniel Byman (Georgetown University) für einen ganzheitlich ausgerichteten politisch-gesellschaftlichen Ansatz, der weiche und harte Maßnahmen vereint. Die politisch Verantwortlichen sollten schon jetzt die Resilience (psychische Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung nach einem erfolgten Anschlag) stärken.

Ohne übertriebenen Alarmismus, aber auch ohne die oftmals zu erlebende Konfliktscheu und Naivität, ist ein angemessener und unaufgeregter Umgang mit der Gefährdungslage notwendig. Denn solche Anschläge können die geltende Staats- und Werteordnung nicht in ihren Grundfesten erschüttern. Zumindest dann, wenn man es nicht zulässt.

Österreich ist ein kleines Land, deshalb lassen sich Arbeitsweise und Strukturen radikal islamischer Organisationen sehr augenscheinlich erklären.

Eine Mitschuld an den aktueller Entwicklungen muss sich auch die die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) zurechnen lassen, in deren Vorstand Muslimbrüder, Millî Görüs, ATIB und andere Extremisten sitzen. Das verhindert eine Integration von Muslimen in Österreich. Ebenso existieren in Österreich Lobbyorganisationen der in der Türkei regierenden islamistischen AKP. Diese sollen gezielt unter den in Österreich lebenden türkischstämmigen Sunniten die monogame Loyalität gegenüber dem türkischen Staat erhalten und vertiefen. Dabei wird ein Religionsverständnis verbreitet, welches aus einer Mischung von Religion, kemalistischen Nationalismus und Neo-Osmanismus besteht. Damit gewinnen die Parameter ethnische Herkunft und religiöse Orientierung wieder an Bedeutung zur Gemeinschaftsbildung innerhalb der Gesamtgesellschaft, da die in Österreich lebenden türkischstämmigen Muslime fromm-religiöse und nationalistische Auslandstürken mit tiefer Verbundenheit zur AKP und Recep Tayyip Erdoğan werden. Das wird die jetzt schon bestehenden Spaltungstendenzen innerhalb der Gesellschaft weiter verstärken.

Es muss eine Kursänderung in ganz Europa geben. Österreich ist nur ein Beispiel. Die Politik in ganz Europa braucht endlich ehrliche Beratung von liberalen Muslimen und nicht von den Radikalen, die hier leider mit Hilfe der Politiker immer salonfähiger werden.

Vorbeugender Terroralarm erforderlich

Die blutige Terrororganisation „Islamischer Staat“ hat Pläne, auch den Westen anzugreifen. Nach ihren deutlichen Erfolgen im Nahen Osten hat sie nun durch schlafende Zellen viele Anhänger im Westen gewonnen. Diese glauben, wenn sie während der Ausübung des gewaltsamen Dschihad (al-Dschihad bi-s-Saif fi sabili Illah = Der Dschihad mit dem Schwert auf dem Weg Allahs) als Märtyrer sterben, oder sich als Shuhada („Zeugen“ im Sinne von Selbstmordattentaten) opfern, direkt und ohne Wenn und Aber ins Paradies zu gelangen.

Dort werden sie die höchste Stufe einnehmen und ein ewiges Leben mit den Huris (Paradiesjungfrauen) führen, da sie den höchsten Rang im Diesseits und Jenseits als „gläubige Muslime“ erhalten werden.

So wird es Ihnen von radikalen und extremistischen Predigern und angeblichen Ulama (Gelehrten) eingeredet, die in der Regel selbst keine vertiefenden theologischen Kenntnisse besitzen du selbst dschahil (unwissend) sind, weil die Gewaltausübung im Islam zur Expansion und Verteidigung primär eine rechtlich geregelte Angelegenheit ist, die in der Regel nur von einer islamischen Obrigkeit angeordnet werden kann, wobei diese Fragen im Fiqh as-Siyar (Rechtsgebiet, welches sich mit dem islamischen Kriegs-, Fremden- und Völkerrecht beschäftigt und heute auch Internation Islamic Law (IIL) gelehrt wird) behandelt werden, wobei schon die vier sunnitischen Rechtsschulen unterschiedliche Ansichten vertreten.

IS Anhänger in Europa sind oftmals erst hier durch extremistische Predigten in Moscheen radikalisiert und zur Ausübung des gewaltsamen Dschihad aufgerufen worden. Dabei ist neben einem quantitativ hohen Anteil von Konvertiten auch eine zunehmende Feminisierung des IS Anhängerpotentials zu verzeichnen, die nach Syrien/Irak auswandern, um dort einen Assad (Löwen) zu heiraten. So auch die Selbstbezeichnung der IS und al-Qaidah Kämpfer, die immer wieder in dschihadistische Propaganda benutzt wird, um junge Muslima nach ash-Sham zu locken. Ohne das diese wissen, was sie dort erwartet.

Von uns allen wird, ohne Angst machen zu wollen, angemessene Alarmbereitschaft, Vorsicht und Wachsamkeit verlangt, um unsere Sicherheit zu schützen und den Frieden zu bewahren.
ILMÖ Stellungnahme: Die Initiative liberaler Muslime in Österreich-ILMÖ ist streng gegen Salafismus, Missionierung für politischen Islam, Radikalisierung und Rekrutierung zum Jihad, weil der politische Islam nach islamischen und arabischen Ländern letztlich auch das demokratische und liberale Europa zerstören will. Die Politik muss endlich diese Tatsachen erkennen und diese Tendenz stoppen, sonst wird es immer gefährlicher und bedrohlicher für unsere Gesellschaft und Zukunft.

Die Migrationsflut ist in ein Pro und Kontra geraten: Verfolgte und Gefährdete sind als Asylanten willkommen, von Zuwanderern aus sicheren Ländern jedoch zu unterscheiden. Diese Debatte wird die Integration wegen der verschiedenen Meinungen und den Konterversen zwischen den Politiker stark beeinflussen.

Dr. Amer Albayati, Islam- und Terrorexperten

Präsident, Initiative Liberaler Muslime Österreich – ILMÖ
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