Muslime: „Präsident Schakfeh untragbar!“

"Neues Volksblatt" - Interview mit Amer ALBAYATI, Initiative Liberaler Muslime Österreich - ILMÖ

Von Manfred Maurer

Es rumort in der islamischen Glaubensgemeinde in Österreich. Viele Muslime sind empört über die vom NEUEN VOLKSBLATT am Samstag veröffentlichten Äußerungen des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas Schakfeh. Dieser hatte islamische Religionslehrer nicht nur dazu aufgefordert, in der ersten Schulwoche nichts anderes zu tun, als Mitglieder für die IGGiÖ zu registrieren. Unter Androhung des Arbeitsplatzverlustes verlangte Schakfeh auch, dass die Familien der Lehrer der IGGiÖ beizutreten hätten: „Religionslehrer, wenn sie persönlich und ihre Familienangehörigen, Kinder usw. nicht registriert sind, werden sie ihren Posten verlieren. Das klingt hart, ist aber so!“

Muslime, die sich von der IGGiÖ ohnehin nicht vertreten fühlen, reicht es jetzt endgültig: „Präsident Schakfeh ist nicht mehr tragbar“, sagt Amer Albayati, Sprecher der Initiative Liberaler Muslime in Österreich (ILMÖ). Schakfeh müsse „seine diktatorischen menschenverachtenden Aussagen und Drohungen zurücknehmen, sich entschuldigen und sofort zurücktreten“, so Albayati zum VOLKSBLATT.

Zuständige Ministerin hat „keine Handhabe“

Islamische Religionslehrer aus ganz Österreich hätten sich bereits an die ILMÖ gewandt und sich wegen der Drohungen Schakfehs beschwert. Die Lehrer verlangten, so Albayati, den Schutz der zuständigen Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) „vor dieser Erpressung und der Diktatur der IGGiÖ“. Diese denkt allerdings nicht daran, sich einzumischen. „Das Ministerium hat keine Hadhabe, es handelt sich um eine innree Angelegenheit der islamischen Glaubensgemeinschaft“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums, das die Mitgliederkeilaktion ausdrücklich für zulässig erklärt hatte, nachdem sie der Landesschulrat in Oberösterreich abblasen hatte wollen. Die IGGiÖ reagierte auf VOLKSBLATT-Anfragen nicht.

IGGiÖ verstößt gegen staatlichen Auftrag

Da Schakfeh auch angekündigt hat, die IGGiÖ werde nur noch zahlende Mitglieder vertreten und Nicht-Mitgliedern keinerlei Bestätigungen (für Familienangelegenheit, Bundesheer, Begräbnis) mehr ausstellen, orten die liberalen Muslime auch einen Verstoß gegen den staatlichen Auftrag der IGGiÖ, als Vertretung aller Muslime zu fungieren. Albayati: „Die logische Konsequenz ist die Auflösung der IGGiÖ, da sie keinerlei Legitimität und Kompetenz besitzt.“

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